11. September 2020 | 20:00 h
12. September 2020 | 20:00 h

Work in progress

Im anschl. Gespräch mit den Künstler*innen

Eintritt frei

Ort: 
Ehrenfeldstudios
Wissmannstrasse 38
50823 Köln

Kartenreservierung:
+49 (0) 221 846 395 80
karten@ehrenfeldstudios.de

DER EMPATHISCHE KÖRPER
WIR | 2020

Innerhalb des Gesamtkonzeptes DER EMPATHISCHE KÖRPER werden zwischen 2020 bis 2022 drei Bühnenproduktionen zum Thema Empathie, Körper und Gesellschaft entstehen, die neben dem intergenerationellen Ensemble DIE METABOLISTEN auch neue, junge Talente ab 16 Jahren und junge Absolvent*innen einbinden werden.

Die drei Produktionen thematisieren schwerpunktmäßig Fragestellungen rund um den empathischen Körper als Voraussetzung und fragwürdig gewordene Konsequenz gesellschaftlicher Entwicklungen und sozialer Beziehungen im Zuge der digitalen Revolution. Ziel der Arbeiten ist es, Empathie für den Zuschauer erleb- und unmittelbar erfahrbar zu machen.

WIR entsteht 2020 mit vier Nachwuchs-Performer*innen/Absolvent*innen und acht Mitgliedern des intergenerationellen Ensembles. Nach einer Phase der Recherche und der Laboratorien wird das Ensemble die Produktion rund um Fragestellungen zum Themenkomplex performativ-physische Empathie im November 2020 in Köln zur Uraufführung bringen. Nationale und internationale Gastspiele sind in u.a. München, Ludwigsburgs, Bochum, Reykjavik, Lissabon und Cannes geplant.

Empathie ist ein evolutionäres Phänomen, das unserer kognitiv-neuronalen wie auch leiblichen Verfasstheit entspringt. Das Phänomen ist in einem entwicklungspsychologischen Kontext weitreichend beschrieben (Stichwort: Spiegelneuronen). In einer für unsere Alltagszusammenhänge tauglichen Definition hat sich eine vornehmlich positive Konnotation des Begriffs durchgesetzt. Oftmals wird die Befähigung zur Empathie mit altruistischer Einfühlsamkeit gleichgesetzt. Eine fatale Reduzierung ihrer genetisch implantierten Kraft in unseren Körpern, die auch Risiken birgt. Denn Empathie ist kein universeller Solidaritäts-Klebstoff, wie uns therapeutische Konzepte gerne nahelegen wollen. Sie ist ein genetisch-neuronales Konzept, sie ist die Antwort auf die Frage nach der bestmöglichen Überlebensstrategie. Gruppenübergreifend kann sie gerade darum auch eine Bedingung für Konflikte und delinquentes Verhalten sein. Als multidimensionales Konstrukt ist Empathie noch wenig weitreichend verstanden. Wir haben ein Empathieproblem.

Zu viele Ideologiebrüche durchziehen unsere Gesellschaft. Eines der Grundprinzipien westlicher Erziehung lautet Konkurrenz. Ihr pädagogischer Imperativ hingegen Achtsamkeit. Dieser unselige und widersprüchliche Ideologie-Cocktail erzeugt einen hochgradigen Authentizitäts-Stressor. Empathie mit sich selbst wird zur Zwickmühle. Empathie mit anderen ebenso. Wir haben ein Empathieproblem!

Empathie ist Arbeit. Ihrer habhaft zu werden bedeutet ein tägliches Ringen um ihre Anwesenheit. Ein Kampf, der geführt werden muss, wenn wir als Gemeinschaft überleben wollen. Die Bedingungen sind gesät: Empathie transportiert sich über Sprache ebenso wie über die Annäherung unserer Körper. Um der Flüchtigkeit, um der Verletzlichkeit ihrer Anwesenheit zu begegnen, um die Rufe nach ihr nicht allein den Moralaposteln des sogenannten guten Lebens zu überlassen und um ihrer Gefährdung durch die ungefilterten Einflüsse digitaler Verheißungen zu begegnen, müssen wir zu neuen Definitionen und Verhaltensweisen kommen. Das geht nur, wenn wir uns darauf einlassen, dass Empathie der Schlüssel für reale Veränderung ist. Jenseits aller schnelllebigen Lippenbekenntnisse zu Solidarität, die außer einem schulterklopfenden Common Sense über unsere angeblich aufgeklärten und humanistisch geprägten Leben kaum echte, empathische Wirkung entfalten.

Wir wollen mit unserer praktisch – künstlerischen Arbeit, unseren kreativen Methoden und künstlerischen Perspektiven einen Beitrag zu Fragestellungen rund um den Empathiediskurs leisten und im Rahmen unseres vielschichtigen Konzeptes erleb- und erfahrbar machen.

Die kommenden Projekte von SILKE Z. und den METABOLISTEN werden Empathie und ihre Bedeutung für uns als Individuen wie auch als Gemeinschaftswesen intergenerationell in Bewegung befragen und erforschen und ihre Fragwürdigkeit an signifikanten Beispielen ihrer Widersprüchlichkeit ausloten. Die Ergebnisse dieser künstlerischen Forschungsreise werden sodann als dreiteiliges Tanzperformanceprojekt auf die Bühne gebracht.

Dabei werden die dunklen Seiten der Empathie ebenso in den Blick genommen, wie ihre unmittelbare körperliche Natürlichkeit. Und nicht zuletzt ihre heilende Kraft der Befähigung zu einem solidarischen Miteinander, über Generationen und Nationen hinweg.

Presse:

Die Begegnung mit Künstlern verändert, weil sie die Schüler mit anderen Arbeitsweisen konfrontiert. Im Kern jedes Kunstwerks stellt sich die Frage nach der Methode, mit der es erarbeitet wurde. So eröffnen sich Schülern neue Horizonte in einer Welt, die an ihrer „Wohlstandsverwahrlosung“ zu Grunde zu gehen droht. ” (Thomas Linden, Choices)